Ende der 1950er Jahre fand der US-amerikanische Motivationsforscher Frederick Herzberg heraus, dass Menschen nicht in erster Linie für Geld arbeiten. Anerkennung, Verantwortung, Entwicklung und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten, wiegen in der Summe schwerer. Seitdem haben Deci und Ryan, Bandura und andere Organisationsforscher das bestätigt. Die Namen änderten sich, die Ergebnisse kaum.

Die moderne Arbeitswelt leidet nicht an einem Mangel an Wissen über Motivation, sondern an einem Überschuss davon. Und trotzdem klagen Beschäftigte seit Jahrzehnten über dieselben Dinge, während ihre Führungskräfte fast genauso klingen. Die einen erleben einen Chef, der keine Zeit für Gespräche hat. Der Chef erlebt einen Kalender, der ihm keine lässt.

Vielleicht haben die meisten Organisationen nicht das Problem, dass Mitarbeiter/innen und Leitungskräfte nicht motiviert sind, zumindest nicht, wenn sie ins Berufsleben starten.

Vielleicht haben sie ein Strukturproblem. Es gelingt ihnen anscheinend nicht, Strukturen aufzubauen, in denen Menschen erfahren, dass ihre Arbeit einen Unterschied macht. Millionen von Menschen arbeiten, ohne zu sehen, warum sie überhaupt arbeiten, ohne zu sehen, ob das Ergebnis ihrer Arbeit überhaupt registriert wird.

Während der Arbeitsort so immer unbeliebter wird, wird ein anderer Ort immer populärer. Aktuell stemmen über 12 Millionen Menschen Gewichte und schwitzen auf Laufbändern. Und das alles freiwillig. Na ja, fast.

Was hat das Fitnessstudio, was das Büro nicht hat? Ganz freiwillig geht auch dort fast niemand hin, der Blick in den Spiegel sitzt tief. Trotzdem kommen sie wieder und zahlen sogar dafür. Das liegt nicht an den Motivationspostern über dem Laufband.

Es liegt daran, dass das Studio ein paar Dinge strukturell richtig macht. Der Fortschritt ist sichtbar: Nach acht Wochen liegen mehr Kilo auf der Hantel, und man weiß, warum. Der Trainer zeigt, wie es geht, aber heben muss man selbst. Der Plan wächst mit, niemand trainiert jahrelang mit denselben fünf Kilo. Kurz gesagt, man erlebt, dass das eigene Handeln einen Unterschied macht. Albert Bandura nannte das Selbstwirksamkeit. Im Büro wissen viele nach Jahren nicht, was ihre Arbeit eigentlich bewirkt hat. Für die Unternehmen heißt das, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen Wirkung erleben.

Genau darum geht es in diesem Workshop. Zwei Tage lang schauen wir auf Ihre Organisation: Wo laufen Ihre Teams im Rad, und wo ist schon Studio? Wo wird Fortschritt sichtbar, und wo verschwindet er in Abstimmungsschleifen? Wer schreibt bei Ihnen den Trainingsplan?

Grundlage ist das Modell der selbstwirksamkeitsorientierten Organisation aus meinem neuen Buch „Arbeit in der Beziehungskrise“. Am Ende steht kein Motivationsfeuerwerk, sondern ein Plan, welche Strukturen Sie als Erstes umbauen. Anstrengend wird es trotzdem. Aber Sie wissen dann, wofür. Sehen Sie es als Probetraining für das, was Ihre Organisation noch vorhat!